Rebschäden geben Rätsel auf

Rebschaeden

Seit Mitte Mai 2015 verkümmern in der Schweiz reihenweise Reben. Die Blätter sind deformiert, viele Fruchtknoten vertrocknet. Neben der Deutschschweiz ist insbesondere der Kanton Waadt betroffen, wo auf rund 524 Hektar bis zu 90 Prozent der Trauben geschädigt wurden. Die lokalen Behörden gehen von einer 5 Prozent tieferen Ernte und einem Schaden von etwa 40 Millionen Franken aus.

Erste Untersuchungen lenkten den Verdacht auf das Fungizid «Moon Privilege» des deutschen Agrarkonzerns Bayer. «Noch ist nichts wissenschaftlich belegt, aber überall, wo die Schäden auftraten, wurde im vergangenen Jahr ‹Moon Privilege› gespritzt», sagt Pierre-Henri Dubuis, Experte für Pflanzenkrankheiten bei der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope. Bereits 2014 wurden erste Schäden festgestellt, die Ursache blieb aber unklar. Als im Mai 2015 die ersten Blattdeformationen auftraten, schlug Agroscope Alarm. «Nach der Auswertung der Spritzpläne kam nur ‹Moon Privilege› infrage», erklärt Dubuis.

Am 2. Juli suspendierte das Bundesamt für Landwirtschaft die Bewilligung für das Fungizid. «Nach den ersten Meldungen nahmen wir umgehend mit Winzern, Lieferanten und Pflanzenschutz-Beratern Kontakt auf», sagt Bayer-Sprecher Manuel Bucher. Zudem habe man kommuniziert, dass «Moon Privilege» vorerst aus Sicherheitsgründen für den Weinbau nicht eingesetzt werden sollte. Obwohl das Spritzmittel, das in der Schweiz seit 2013 eingesetzt wird, weltweit Verwendung findet, seien die Schäden bisher nur noch in Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich aufgetaucht. Möglich also, dass die Kombination mit äusseren Faktoren wie Klima oder anderen Produkten zum Problem geführt hat.

Aktuell untersucht Bayer die Rebberg-Analysen sowie die chemischen und biologischen Abläufe rund um den Einsatz von «Moon Privilege». Die Forschungsanstalt Agroscope versucht, das Problem im Rebberg zu rekonstruieren: In Changins VD und Wädenswil ZH wurden Pflanzen zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit verschiedenen Mengen des Fungizids behandelt. Und es wurde mit anderen Mitteln kombiniert. Konkrete Erkenntnisse werden im kommenden Frühling erwartet. Ob und wie die betroffenen Winzer für ihre Ernte-Einbussen entschädigt werden, ist noch unklar. Bis Anfang August sind keine Schadenersatzklagen bei Bayer eingetroffen.

Quelle: Vinum Ausgabe 09/15

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